Mikrofon statt Schulbank: Gymnasiasten blicken hinter die Kulissen der Politik.

(LiVa, 21.01.2026) Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums haben die Hauptakteure des Landes vor das Mikrofon geholt. Wie funktioniert Politik in Liechtenstein wirklich? Und was bewegt die Menschen, die sie täglich gestalten? Diese Fragen standen im Zentrum eines besonderen Projekts, das Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums gemeinsam mit der Aha Jugendinfo im Rahmen ihres Wahlpflichtkurses Politik umgesetzt haben.
Themen waren unter anderem:
- Welche Rolle spielt der Fürst im politischen System?
- Und wofür stehen die verschiedenen Parteien eigentlich genau?
- Wie wird man Minister ?
(dwb) Das sind tatsächlich ein paar gute Fragen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Gymnasiasten innerhalb ihres Projekts dafür adäquate Antworten bekommen haben. Gerne dürfen die Gymnasiasten diese Fragen auch mir stellen, das wäre wesentlich billiger als das - sehr teure - aha zu bemühen.
Welche Rolle spielt der Fürst im politischen System ? Nun. Eine viel zu grosse. Das liegt daran, dass der international gültige Grundsatz "Vor dem Gesetz sind alle gleich" in Liechtenstein keine Gültigkeit hat. Der Fürst verfügt alleine aufgrund seiner Geburt per se über wesentlich mehr Rechte als jeder andere Bürger des Landes. Eine gute Lektion für die Gymnasiasten und ein anschauliches Beispiel dafür, dass wer über viel Vermögen und Einfluss verfügt, diesen auch auf die Politik anwenden kann. Was weltweit jeden Tag auch vor sich geht.
Die zweite Frage ist ebenfalls schnell erklärt: Die beiden grossen politischen Parteien im Land stehen dafür ein, primär die eigenen Interessen der Partei selbst zu vertreten. Sie drehen sich um sich selber und sind beflissentlich darum bemüht, "Bewährtes zu bewahren". Also den Status Quo weiterhin zu ihrem Vorteil zu nutzen und dafür zu sorgen, dass niemand "ihre Kreise stört". Was sie auch tun. Die aktive Weiterentwicklung des Landes bleibt dabei auf der Strecke, aber das ist auch nicht das primäre Begehr der (grossen) Parteien.
Wie wird man Minister ? Das ist wohl die einfachste der drei Fragen. Indem man sich ausserordentlich intensiv mit Politik befasst ? Indem einem das Wohl und Wehe dieses kleinen Staates und seiner Bewohner am Herzen liegt ? Mitnichten. Zuerst das Allerwichtigste: Irgend einen Abschluss einer beliebigen Universität. Es kann sich dabei auch um ein Bachelor Studium im Fach "Blockflöte" handeln, das ist zweitrangig. Als Handwerker aber, der im täglichen Kontakt mit der Bevölkerung steht - da sehen die Chancen auf ein Ministeramt ganz schlecht aus. Unabdingbar ist, 20 Jahre lang fleissig an jede Parteiversammlung zu tigern und sich dort sehen zu lassen. Aktive Mitarbeit ist dabei nur insofern gefragt, als dass sie exakt der Parteilinie entspricht. Widerworte und kritisches Hinterfragen hingegen sind sehr hinderlich auf dem Weg zum Minister. Man wartet stattdessen geduldig, bis man in der Parteihierarchie nach oben gespült wird und lässt sich dann auf eine Wahlliste setzen. Das macht man zwei, dreimal hintereinander, und irgendwann klappts. Schwierig ists nicht. Wichtig dabei einfach: Niemals nicht etwas falsches sagen. Und tapfer am Sessel kleben.
Also, liebe Gymnasiasten. Stellt eure Fragen.
So ihr denn noch welche habt, die über die Pfannenfertigen des aha hinausgehen.
Aber das wird - möglicherweise - schwierig. Das ist sicher nicht Teil der Aufgabe.
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