
LESERBRIEF.
… also, ich find das nicht ideal …
Ganz persönlich meine ich, wir verschenken viel zu schnell Werte, für die unsere Vorfahren hart und lange gearbeitet und gekämpft haben. Vielleicht geht es uns zu gut, um zu merken, dass sich das sehr schnell ändern kann. An einem Frontag im Hintervalorsch auf den Vaduzer Alpen, das ist dreissig Jahre her, hat mir ein älterer Vaduzer, der verstorbene Albert Laternser, etwas mitgegeben: "Es ist noch kein Baum so stark geworden, dass man ihn nicht noch hätte fällen können". Wir sitzen im Glashaus merken nicht, wie fragil diese ganze Geschichte ist. Und aus welcher Zeit wir kommen. Aus ärmlichsten, bäuerlichen Verhältnissen. Beinahe kann man die alten Miststöcke vor den Häusern im Zentrum und drum herum noch riechen. Auch wenn das ganze noch so glänzend und toll aussieht. Solche Dinge können sich ändern. Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass das, was in den letzten 80 Jahren erreicht worden ist, erhalten und ausgebaut werden kann. Aber wir feiern munter weiter. Es macht uns allen viel zu viel Spass, der Tanz auf dem Vulkan. Der Boden unter unseren Füssen wir immer heisser, aber wir wissen Rat: Schuhe mit dickeren Sohlen. So gehts. Eine Weile. Dann basteln wir einfach weiter. Wir beschäftigen uns mit Grossbauprojekten und versenken hunderte von Millionen. Konzeptlos, instinkt-getrieben. Ich weiss nicht, ob das die pure Langeweile ist, oder das fehlende Verständnis für Zurückhaltung und verantwortungbewusstes Handeln. Gerade in Hinblick auf unsere Jungen. Mir wäre lieber, wir würden brauchbare Konzepte für Alter und Pflege ausarbeiten – und endlich umsetzen. Das wird unsere finanziellen Möglichkeiten stark beanspruchen, es ist aber tatsächlich alternativlos. Und die Politik: Sie wird immer mutloser, immer angepasster, immer willfähriger. Kein Rückgrat, keine Visionen. Stillstand. Wir pöppeln den Status Quo. Verharren wie die Schlange vor der Maus. So wirds nicht gehen. Das - geht in die Hose.