
LESERBRIEF.
Politische Querelen: Unerwünscht.
Eine
vor kurzem neu eingereichte Initiative strebt eine Abänderung des
Strafgesetzbuches an, um in Liechtenstein die Fristenlösung von
Schwangerschaftsabbrüchen nach Schweizer Vorbild einzuführen. So sollen
Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche künftig straffrei sein.
Ein solch politisch brisantes Thema anzufassen, das ist so gar nicht
nach dem Gusto unserer etablierten Parteien. Gut, es geht weniger um
Politik als ums Prinzip. Es ist hinlänglich bekannt, dass das
Fürstenhaus jedwede Art eines Schwangerschaftsabbruches grundsätzlich
ablehnt. Das ist legitim, jeder darf sich seine eigene Meinung bilden.
Ich glaube aber, es gibt in der Bevölkerung und in den Reihen unserer
politischen Parteien durchaus Mehrheiten zu gewinnen, die eine
Fristenlösung befürworten. Nur, du meine Güte, wie bitte soll man das
dem Landesfürsten beibringen, ohne einen erneuten Eiertanz rund um die
Thematik loszutreten. Nicht zuletzt sind vor allem die VU und die FBP
die Bewahrer und Behüter des Status Quo. Nur die Ruhe bewahren, im Land.
Nur keine schlafenden Hunde wecken. "Uns geht es gut, so soll es
bleiben". Ein Wahlslogan vergangener Tage, der bis heute seine
Gültigkeit hat. Nun, wir werden uns mit diesen Meinungsverschiedenheiten
zwischen Parteien und Fürstenhaus auseinandersetzen müssen.
Verpflichtende "Beratungen" für die Schwangere erachte ich jedenfalls
als eine vollkommen unangebrachte Einmischung des Gesetzgebers. Ich
traue unseren Frauen durchaus zu, solche Entscheidungen selbständig und
ohne Einmischung von aussen treffen zu können. Persönlich danke ich dem
Initiativkomitee, dass es mit seiner Initiative endlich wieder Bewegung
in ein Thema bringt, das ein für allemal gelöst werden muss. Und zwar,
anders wird es nicht gehen, durch eine Volksabstimmung. Klar, den
etablierten Parteien graut vor den bevorstehenden Querelen. Wir werden
damit leben müssen. Und auch mit einem Resultat, das so akzeptiert
werden muss, wie es fällt. Und zwar von allen "beteiligten Parteien".