LESERBRIEF.

24.09.2026


Ich glaube, das gefällt mir nicht. 

Es stimmt. Es gibt durchaus viele Dinge in diesem kleinen Fürstentum, die mir gut gefallen. Womit ich aber Mühe habe, das ist die zunehmende moralische Verwahrlosung auf der höchsten Ebene unseres Landes. Damit meine ich speziell Regierungskreise. Klar, es ist im restlichen Europa keinen Deut besser. Aber da erinnere ich mich an Mahnungen meiner verstorbenen Mutter: "Wir messen uns nicht an den Schlechteren, sondern an den Besseren". Und so finde es zum Beispiel untragbar, wie wir in unserer Regierung mit Fehlern umgehen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei der Planung des Luftschlosses "Landesspital" mehr oder weniger alles den Bach runter gegangen ist. Doch die fünf Millionen, die wir dabei gleichzeitig mit durch den Abfluss gespült haben. Die interessieren mich. Sicher. Fehler können passieren. Aber es stört mich, dass man auf höchster Ebene gegenüber der Bevölkerung – durchaus mit gekonntem, arroganten Unterton - unumwunden zugibt, die fünf Millionen, die sind im Sand. Gleichzeitig aber wird aus dem Handgelenk raus darüber informiert, dass niemand die Absicht hat, die Ursachen und Verantwortlichkeiten zu klären. Die fünf Millionen Planungskosten verschwinden also sang und klanglos unter dem Tisch. Sowas geht nicht. Punkt. Ende. Das ist Bananenrepublik. Solch ungute Vorgänge werden von Leuten fabriziert, deren moralische Grundsätze sich mit den meinigen nicht decken. Ein Amt in der Regierung des Fürstentums Liechtenstein ist nicht das Ergebnis einer von Bierlaune gesteuerten Parteiversammlungsorgie. Es sind die höchsten Positionen, die der Souverän an integre, gerade Menschen zu vergeben hat. Wir feiern unsere Jungbürger und schicken unsere Regierung mit an die Sause. Und ja. Es ist schon nachvollziehbar, dass sich so mancher ob solch seltener Bewunderung durch unsere jungen Leute gebauchpinselt fühlt. Aber das Bild, das rüberkommt. Also, vom offiziellen Liechtenstein, mein ich. Das ist – einmal mehr – deutlich zu wenig.


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