
LESERBRIEF.
Buchprojekt "Stimmen aus der Pandemie"
Mit einem Buchprojekt unter dem Arbeitstitel "Stimmen aus der Pandemie" möchte die Regierung einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufarbeitung der Covid-19-Pandemie in Liechtenstein leisten. Im Zentrum steht das Ziel, aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie Lehren zu ziehen. Dazu kommen im Buch 40-50 Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Bereichen zu Wort, die ihre persönlichen Erlebnisse, Wahrnehmungen und Erkenntnisse offen, authentisch und respektvoll schildern. Gut. Dass aus unserem Regierungsgebäude in Sachen Corona nichts mit Substanz zu erwarten ist, das wundert mich nicht. Ein "Schönwetter-Projekt" (was das wieder kostet) soll es also richten. Wir können uns wohl alle in etwa vorstellen, was für Personen in diesem Blätterwerk zu Wort kommen werden. Das interessiert mich schon vorsorglich nicht. Ich möchte vielmehr gerne wissen, ob in dem Buch, das die Regierung plant, auch vorkommt, dass rund 200 Einwohner des Landes vor dem Regierungsgebäude gegen die "Corona-Massnahmen" demonstriert haben. Unter dem Schein vieler Kerzen auf den Treppen des Regierungsgebäudes sind alle Personen mit einer anderen Meinung als diejenige der Regierung von der Polizei eingekreist und unter Kuratell gestellt worden. Dieser unverzeihliche Missbrauch unserer Polizei-Organe, dieses vollständig überzogene Vorgehen, das wir sonst nur aus autoritären Regimen kennen, ist bis heute unaufgearbeitet. Und das wird im Schönwetter-Buch der Regierung auch aufscheinen. Das ist der Regierung zu unangenehm. Denn dann müsste sie vollzählig versammelt vor den 200 ehemaligen Demonstranten hinstehen und sich offiziell dafür entschuldigen, dass Andersdenkende eingeschüchtert und ruhig gestellt werden sollten. Unerhört. Auf der gesamten Linie. Aber diese Grösse hatte weder die Vorgänger Regierung, noch werden die Mitglieder der heutigen über dieser Charakterstärke und Persönlichkeit verfügen. Auch hier. Es reicht einfach nicht. Zumindest - nicht für mich. Das ist zu wenig.