Landesbibliothek, Landesspital. Und was sonst noch in die Hosen geht.

In meinen 60 Lebensjahren habe ich so manches Planungsdebakel im Land erlebt. Ich erinnere an die vielen - vergeblichen - Anläufe für ein Kunstmuseum, das letztlich nur durch das Eingreifen des damaligen Landesfürsten tatsächlich auf die Beine gekommen ist. Oder der Irrglaube - oder war es der Grössenwahn, vermutlich schon - mit den paar Einwohnern im Land eine eigene Telefonie auf die Beine stellen zu wollen. Am Ende waren es 300 Millionen Franken, die wir dafür in den Sand gesetzt haben. Einen Verantwortlichen suche ich übrigens - bis heute - vergeblich. Die gibt es im Land nicht.
Es gibt nur Begeisterte und Ueberschwängliche, auftragsgeil lauernde Architektur- und Planungsbüros, schillernde Politiker, die sich vom gelungenen Projekt Prestige und Glanz erhoffen. Aber es gibt viel zu wenig Besonnene, Kritiker, Nach- und Querdenker, die sich ganz zuvorderst intensiv mit einer einzigen Frage auseinandersetzen: Was brauchen wir wirklich, und wenn, in welcher Dimension und Grössenordnung. Und die nicht nach dem Motto handeln: Wir habens ja - wir wollen unsere Selbständigkeit manifestieren. Tatsächlich sind wir ein tüchtiger, anerkennenswerter, schlauer, flexibler, heller kleiner Staat, der auch ohne eigenes Landesspital auskommt.
Nicht auskommen tun wir ohne Landesbibliothek. Die gehört nach Vaduz, meine ich. In ein Zuhause, das nicht aus einer zusammengebastelten 1970er-Jahre-Bauruine besteht. Sondern eine Heimat, die aus einem besonnenen, realistisch dimensionierten, gut durchdachten neu geplantem und gebauten Komplex, mit dem wir mehrere Bedürfnisse in der Bevölkerung erfassen und zufrieden stellen können. Bedürfnisse, die nicht auf dem "ich hätte gern, wow, das wär was, und ...ich studiere und suche händeringend nach einem Auffüller für diesen riesigen Platz" bestehen. Sondern aus klar definierten, mit Verstand und Geduld gereiften Plänen, über die wir uns möglichst alle einig sind.
Dann gibts auch keine Planungsdebakel mehr. Und dann können wir solche Projekte auch erfolgreich realisieren. Hell genug, das sind wir allemal. Daran liegts - nicht.
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