Hohe Belastung bei Lehrpersonen.

09.04.2026

... und sie sollens dann richten. Das Problem ist nur: Das sind Kinder. Das schein kein grosses Thema zu sein ...

(LiVa, 09.04.2026) An den Schulen werden deutlich mehr Krankheitstage als in der restlichen Landesverwaltung verzeichnet.

(dwb) Ich lese jetzt ganz bewusst nur die Schlagzeile, damit ich mir einmal einfach selber darüber Gedanken machen kann. Der erste Reflex wäre jetzt, zu sagen, ausgerechnet die Lehrer, monatelang Ferien und wenig Arbeitsstunden, alle 10 Jahre Bildungsurlaub. Und da wird noch gejammert. 

Aber das wäre, auch als Nicht-Lehrer, tatsächlich zu kurz gegriffen. Ich stelle mir die viel zu vielen Kinder vor, die aus völlig fremden Kulturen in unsere Welt hineinkatapultiert werden. Und ich erinnere mich an meine eigene Kindheit. Wir hatten während meiner Einschulungszeit eine recht lebendige Umzugspolitik in der Familie. 1968 bin ich in Vaduz, also im Dorf, in den Kindergarten gekommen. Ein halbes Jahr später sind wir nach Schaan gezügelt. Dort habe ich mich als Kind sehr wohl gefühlt, neue Freunde gefunden. Ich war irgendwie angekommen. Wir waren kaum ein gutes Jahr dort, kam der nächste Umzug. Wieder nach Vaduz, aber ins Mühleholz, ein ganz anderer Schulbezirk. Und es war ungut für mich als Kind, dieses dauernde Herausgerissen-werden, in so jungen Jahren. Das hat Auswirkungen bis heute. Und ich habe mich immer im gleichen Kulturkreis bewegt. Und so überlege ich mir, was wir von den Kindern alles verlangen, die neu zu uns kommen. Ihr Kulturkreis, aus dem sie kommen, hat wenig mit unserem zu tun. Wir reissen die Kinder aus ihrem Umfeld heraus, verfrachten sie 2000 km weit nach Westen. Und dann erwarten wir, dass die Kinder das dann schon regeln. Die Erwachsenen, na ja, die können halt nicht lesen und schreiben, sind weit entfernt von jeder Bildung. Aber die Jungen: Die müssens dann richten. Auf ihnen lastet im Grunde der gesamte Migrationsdruck. Ein Wunder, dass die Kinder nicht grossflächig zusammenbrechen.

Oder tun sie das am Ende - und keiner merkts. Oder noch besser, keiner spricht darüber ? Ich weiss es nicht, aber der gesunde Menschenverstand gepaart mit meinen eigenen Erfahrungen in der Kindheit sprechen schon relativ deutlich zu mir.


Ich glaube, dass wir da anders handeln müssen, als die gesamte Migration auf dem Buckel der Kinder - und damit direkt auch der LehrerInnen - auszutragen. Das wird langfristig nicht funktionieren. 

Bei den Kindern nicht. Und auch nicht - bei den Lehrerinnen.


(Bildquelle: Pixabay, n.Reg.lizenzfrei)



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