Für einmal ein etwas anderes Thema. Weils wichtig ist.

03.10.2026


Ich möchte heute kurz auf ein Thema eingehen, dass vordergründung nur ganz wenige von uns betrifft. 


Ich spreche von der Dialyse, also der "Nieren-Ersatz-Therapie"


Es verwundert nicht, dass die meisten von uns so gut wie nichts darüber wissen. In Liechtenstein sind nur ca. 20 Personen an der "Künstlichen Niere". Ich bin einer davon. 

Mit der Dialyse zu leben, das stellt das Leben auf den Kopf. Es ist ein ungeheurer Eingriff in die Lebensqualität und erfordert das vollständige Umstellen des bisherigen Lebens. Das betrifft massiv auch Partner und Familie. Niemand ist an diesem Zustand schuld. Es gibt aber ein paar Dinge, die wir ändern müssen. Dazu möchte ich euch eine kurze Geschichte erzählen: 

Einem 68jährigen Mann geht die Puste aus, plötzlich gehts auf die Pfälzerhütte nur noch mit Schnaufen, Hängen und Würgen. Seltsam. Das war noch nie ein Problem. Das sollte besser werden, denn mit der Pension kam auch das neue Wohmobil ins Haus, mit dem gehts im nächsten Sommer auf grosse Tour durch Europa. Darauf freuen sich der Pensionär und seine Frau seit Jahren ! Erst mal aber zum Arzt, die Schnauferei muss einen Grund haben. Der nimmt auch die Nierenwerte, und stellt fest: Die sind miserabel, ein Termin beim Spezialarzt bringt das verheerende Urteil: Die Nieren sind bei 14 % ihrer Leistung. Die Dialyse wird unabdingbar, möchte der Senior die nächsten Jahre noch erleben. Ansonsten wird sich sein Leben innerhalb weniger Wochen oder Monate beschliessen. Das ist sicher. Gut. nach Schaan, zum Dialyseteam. Der leitende Arzt dort (Dr. Clemens Jäger, ein toller Arzt, der die Bezeichnung "Arzt" auch verdient) informiert den künftigen Patienten, dass er ab sofort drei Mal pro Woche, für die Dauer von jeweils 4 Stunden, an die Dialyse muss. Für den Rest seines Lebens, sofern eine Transplantation nicht möglich sein sollte. Und selbst die - ist bei weitem nicht Ohne. 

Was heisst das nun ?

  • Trinkmenge am Tag bei vielleicht 1.5 Liter maximal (inklusive Früchte oder Suppe)
  • eine Diät, die ihresgleichen sucht. Aufwendig, mühsam, salzlos.
  • ein Leben in totaler Abhängigkeit von einem Pflegeteam und einer Maschine
  • Wohnmobil gestrichen. Träume weiträumig vergessen.
  •  keine Reise durch Europa - nicht ohne Feriendialyse. Keine Rede von Unabhängigkeit

Das Leben stellt sich innerhalb einer Woche vollständig auf den Kopf. Traumatisch. 


Klar, natürlich gibts eine Beratung bei der Dialyse. 

BEGINN DER BERATUNG

"Die Therapie beginnt Montag, 6.30 Uhr hier in Schaan"
"Aha, also wie ... Therapie ?"
"Ja, die Dialyse, dann sehen wir uns Montag, 6.30 Uhr 

ENDE DER BERATUNG.


Der zukünftige Dialysepatient und seine Frau fahren nach Hause. Mit zerstörten Träumen. Vollständig ahnungslos, was auf sie zukommen wird. Ein völlig anderes Leben. Nur, Was. Wo. Wie ? Anlaufstelle: Keine. Psychologische Beratung: Keine. 


So gehen Menschen bei uns an die Dialyse. Das müssen wir ändern.


(Bildquelle: Nephrocare)

Share