Fristenlösung. Und einmal mehr - die Doppelmoral.

Wir ereifern uns im Schutz um "ungeborenes Leben". Ein grosser Teil der Bevölkerung Liechtensteins ist der Ansicht, dass wenn ein Mensch mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle entstanden ist, dieses menschliche Leben in keinem Fall mehr beendet werden darf.
Das kann man so handhaben. Es muss uns aber allen klar sein - und das ist es einem guten Teil der Bevölkerung ganz bestimmt nicht, dass das gravierende Konsequenzen hat:
- Es darf keine Stammzellenforschung mehr geben. Die Stammzellenforschung erforscht die wandelbaren "Alleskönner"-Zellen des Körpers, um unheilbare Krankheiten wie Parkinson, Diabetes oder Leukämie zu bekämpfen. Das Ziel ist es, geschädigtes Gewebe zu heilen, Medikamente sicherer zu testen und den Ursachen von Krankheiten auf den Grund zu gehen. Dazu benötigt die Stammzellenforschung Embryonen, also per Definition eines guten Teils der Bevölkerung absolut schützenswertes, menschliches Leben.
- Die Spirale für die Frau muss in Liechtenstein per sofort verboten werden. Sie verhindert, dass sich der Embryo, Ergebnis der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, in der Gebärmutter einnisten kann - und stirbt.
Das Entwicklungsstadium eines Fötus in der letzten Schwangerschaftswoche, in der eine Abtreibung noch möglich ist, gaukelt uns ein falsches Bild eines "Menschen" vor. Kopf, Arme und Beine machen noch lange keinen lebensfähigen Menschen aus. In der 12. SSW ist der Fötus etwa 5 bis 6 Zentimeter groß und wiegt rund 14 Gramm. Zwar sind am Ende des ersten Trimesters alle wichtigen Organe, Gliedmaßen und Systeme bereits vollständig angelegt, sie sind jedoch winzig und im Mutterleib noch nicht funktionsfähig. Die Grenze, bei der ein Kind nicht mehr als Fehlgeburt eingestuft wird, liegt bei einem Gewicht von 500 Gramm.
Und nun kommt erneut unsere Doppelmoral. Für die Stammzellenforschung und die "Spirale für die Frau", da haben wir keinerlei Bedenken. Dass wir hier genauso "werdendes Leben" beenden wie bei einem medizinisch vorgenommenen Schwangerschaftsabbruch, das spielt für die moralisierenden Gutmenschen unter uns keine Rolle.
Sie nehmen sich heraus, zwischen "gutem und schlechtem Schwangerschaftsabbruch" die richtige Unterscheidung zu machen.
Es funktioniert nur leider nicht.
Entweder - oder. Wir können es uns nicht so zurecht basteln, bis es unserer Ethik und Moral (natürlich derjenigen, die jeder von uns selber definiert) in den Kram passt.
(Bildquelle: Pixabay, n.Reg.lizenzfrei)