Demonstrationen allüberall. Und am Ende: Doch nichts Neues.

Fünf Kilometer weiter östlich, vor dem Brandenburger Tor, versammeln sich am frühen Nachmittag unter dem Motto «Gen Z regelt» einige tausend Leute; in der Mehrheit handelt es sich um Schüler, Studenten und Lehrlinge, von denen viele zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Strasse gegangen sein dürften. Wer über den Platz läuft, hat gelegentlich den Eindruck mehrerer parallel ablaufender Kundgebungen. Kapitalismusgegner haben sich ebenso versammelt wie solche, deren Halloween-Kostümierung darauf hindeutet, dass sie im Grunde nichts lieber wären als satte und zufriedene Mitglieder der Konsumgesellschaft.
Ein Feindbild aber eint alle: Friedrich Merz. In dem 70-jährigen Kanzler scheint sich zu verdichten, was die Demonstranten ablehnen: eine (tatsächliche oder vermeintliche) Welt von gestern.
Ich sehe nicht, was bei der heutigen Jugend anders sein soll, als es bei uns vor 45 Jahren war. Die Jungen haben Angst vor der Zukunft, Angst um ihre existentiell wichtige Teilhabe am System, das auch ihnen irgendwie ermöglicht, ihr Leben in möglichst geregelten und angenehmen Bahnen verbringen zu können. Es fehlt ihnen, naturgemäss, der Blick auf die Zeit. Zehn, zwanzig Jahre und mehr, das sind Dimensionen, die sie nicht richtig erfassen können. Der bisher gelebte Zeithorizont ist dazu nicht gross genug.
Und doch werden es auch die heutigen Jungen irgendwie schaffen, sich durchs Leben zu wursteln. Das haben selbst jene verzweifelten Jungen zu Beginn der 80er Jahr geschafft, die sich damals mit Parolen wie "No Future" Luft gemacht haben. Auch sie sind irgendwie 60 geworden. Wir sollten dem allem nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Die Jungen werden ihren Weg finden.
Ganz sicher. Es bleibt ihnen ohnehin nichts anderes übrig.
Eine Erkenntnis, zu der wir alle im Leben erst gelangen müssen.
Was es nicht einfacher macht.
(Bildquelle: Pixabay, n.reg.lizenzfrei)